Cyborgs, Klone und Mutanten? – Interview mit Melike Şahinol über aktuelle Transformationsprozesse in der Medizin

Sehr gerne habe ich Gesche Schifferdecker ein Interview zum Thema “Optimizing the Body: From Health Protection to Genetic Embryo Modification” im Rahmen der Veranstaltung “WeberWorldCafé” gegeben.

Hier ein Ausschnitt:

Wenn ich Diskussionen über mögliche Optimierungen des Menschen (Reproduktionsmedizin, Schönheitsoperationen, Manipulation des menschlichen Erbguts) folge, bin ich beunruhigt. Werden die Menschen der Zukunft alle Cyborgs sein?

Foto: Linus Bohman on Flickr (CC BY 2.0)

Cyborgs sind Donna Haraway zufolge Verflechtungen von natürlichen und materiellen Elementen und spiegeln sich in Subjekten wieder. Sie sind kybernetische Organismen – also Hybridkonstellationen aus Organismus und einer kybernetischen Apparatur. Wenn wir uns die moderne Medizin anschauen, kann man sagen, dass sie voller Cyborgs ist, die aus Verkopplungen von Organismus und Maschinen bestehen, die beide „programmierbar“ erscheinen. Das bedeutet also, dass in der Medizinforschung die Grenzen von Natur und Kultur in der Figuration der Cyborg/des Cyborg zusammenfallen. Dies ist den Gedanken der Wissenschaftlerin folgend auch durchaus erwartbar, denn nach Haraway ist die Trennung von Natur und Kultur nicht natürlich, sondern wird „künstlich“ erzeugt. Ich selbst verstehe, wie Haraway, die Unterscheidung zwischen Natur und Kultur beim Cyborg-Konzept als ein kulturelles Produkt. Insofern kommt dem Anteil der Kultur an der Differenzierung eine besondere Bedeutung zu, denn die Kultur konstituiert die Unterscheidung überhaupt erst. Das heißt aber nicht, dass die Unterscheidung obsolet wäre. Es heißt vielmehr, dass diese nicht naturgegeben und vor allem asymmetrisch ist. Wenn Mensch und Maschine sich in der „Mensch-Maschine-Symbiose“ zum techno-zerebralen Subjekt als eine Form von Cyborgs konstituieren – so wie ich es in meiner Dissertation gezeigt habe – dann ist damit nicht gemeint, dass Organisches und Anorganisches irreversibel miteinander zu einem neuen Wesen verschmolzen sind. Damit meines Erachtens  etwas oder jemand als Cyborg verstanden werden kann, muss ihre oder seine Steuerung und Regulierung in einem programmierbaren zirkulären Prozess erfolgen, in dem Organisches und Anorganisches zusammenwirken. Dies ist mein Verständnis von Cyborgs. Wenn Handlungen eine Vermischung des Biologischen und Technischen zugrunde liegt, dann kann man auch von einem/einer handelnden Cyborg sprechen. Und dies ist bereits in Anwendungen der Neurowissenschaften der Fall (man denke z. B. an die Behandlungen mit Hilfe von Neurofeedback).”

Hier gelangt man zum vollständigen Interview.

 

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